
Malin stellt ruckartig den Wasserkrug wieder hin, nimmt ihn kurzerhand mit der anderen Hand und trägt ihn dann zum Tisch. Es ist nicht das erste Mal, dass es mir auffällt. Mit der rechten Hand scheint etwas nicht zu stimmen.
"Mir tuet irgendwie d' Hand weh", sagt sie so ganz nebenbei.
Ich will es nicht hören - denke ich.
"Seit wann und wo spürst du den Schmerz?" frage ich.
Ich ahne nichts Gutes.
"Scho länger", sagt sie, "hie obä, am Handglänk tuet's immer wieder so weh. Ich cha nüt meh lüpfe... und bi mängisch wiä blockiert."
Genau. Das ist mir aufgefallen.
"Die Knochen sind gut verwachsen - das ist nicht selbstverständlich. Wir sind zufrieden."
Malins Handy liegt auf dem Tisch, der Lautsprecher eingestellt, damit auch ich den Ausführungen des Chefarztes der Uniklinik Basel folgen kann. Er erklärt die Bilder der Nachkontrolle, die Malin in Stans machen konnte und nun einfachheitshalber telefonisch mit ihm aus Basel besprochen werden.
"Der Ellenbogen sieht soweit gut aus, eine nächste Kontrolle wird schon bald folgen. Den Arm darfst du wieder voll belasten. Bei der Hand allerdings sind leider die Knochen ebenfalls nekrotisch."
Unsere Befürchtungen sind bestätigt.
"Was können wir noch tun, gegen immer wieder neue Nekrosen - an anderen Gelenken? Langsam macht es uns Angst... was kommt noch auf Malin zu? Hört das denn nie auf?" frage ich ihn - meine leise Verzweiflung kann ich kaum verbergen.
"Ich verstehe Sie", sagt er, "und Sie haben alles Mögliche unternommen. Die Hyperbare Sauerstofftherapie, die Anbohrung der betroffenen Knochen, Bisphosphonat- Infusion über längere Zeit. Mehr konnten und können Sie nicht tun...
Es gilt abzuwarten. Irgendwann wird es aufhören - aber wann genau, das können wir leider nicht sagen."
Neue Diagnose, neuer Facharzt. Diesmal in der Handchirurgie. Nächsten Donnerstag wird sie das erste Gespräch mit dem Handchirurgen haben. "Ich bi gspannt, was er mier seid," meint sie. Gewohnt gelassen. Ich staune. Wie macht sie das nur?
Inzwischen spürt sie die Schmerzen an beiden Handgelenken.
"Vielleicht cha me grad beidi Händ gliichziitig operierä - de spar ich Ziit..."
Zeit sparen. Na ja.
"Wie stellst du dir das vor? Beide Hände nicht einsetzbar - dann bist du voll ausgebremst. Du kannst dann gar nichts mehr selbst tun und bist wieder völlig abhängig. Bei allem."
Sie wird den Arzt am Donnerstag fragen. Dann wissen wir mehr.